Mikrofon Basics

Mikrofon-Basics (6)

Brauche ich wirklich eine „Spinne“?

Brauche ich wirklich eine „Spinne“?

Wer bislang nur Bühnenmikrofone verwendet hat, mag sich fragen, warum man ausgerechnet im Homestudio eine Spinnenhalterung benötigen sollte. Geht es im Studio nicht viel kontrollierter zu als auf der Bühne? In diesem Tutorial erklären wir, warum eine Spinnenhalterung trotzdem eine gute Idee ist und deine Aufnahmen hörbar verbessert.

Tiefbass ohne Rumpeln

Die meisten Studiomikrofone kommen mit einer einfachen Gelenkhalterung, während die dazugehörige elastische Halterung oder „Spinne“ gegen Aufpreis zu erwerben ist. Da fragt man sich natürlich, lohnt sich diese Mehrausgabe, oder genügt die mitgelieferte Gelenkhalterung?

 

Wie so oft lautet die Antwort: kommt drauf an! Generell sind Studiomikrofone sehr empfindlich für Körperschall, d.h. Vibrationen, Trittschall, Rumpeln. Viel mehr als Bühnenmikrofone. Das liegt daran, dass Studiomikrofone auch sehr tiefe Frequenzen übertragen, die Bühnenmikrofone gar nicht erfassen. Nutzen lässt sich dieser bis in die Tiefbässe hinab reichende Übertragungsbereich aber nur, wenn die Bassfrequenzen, die man aufnehmen möchte, nicht von tieffrequenten Störgeräuschen überlagert werden. Die beste Methode für eine saubere Bassübertragung zu sorgen, ist das Mikrofon mittels einer elastischen Halterung mechanisch zu entkoppeln.

Mikrofonspinnen gibt’s auch für Kleinmembranmikrofone.
Mikrofonspinnen gibt’s auch für Kleinmembranmikrofone.

Klangbeispiele

Warum nicht einfach ein Low Cut?

Enthält die Klangquelle kein Nutzsignal in den tiefsten Frequenzen, kann man auch zu einem elektronischen Low Cut Filter greifen, um Rumpelgeräusche zu unterdrücken. Allerdings funktioniert das nur, solange die tieffrequenten Störungen nicht zu stark werden. Sollte, beispielsweise, der Sänger versehentlich gegen den Mikrofonständer schlagen oder treten, können die dabei entstehenden Vibrationen so energiereich sein, dass die Mikrofonelektronik übersteuert. Ein Low Cut kann das nicht richten. Es sind nämlich nicht nur die tiefen Frequenzen, die dann verzerren, sondern das gesamte Signal. Eine Spinnenhalterung ist eine viel sicherere Lösung, da sie den Körperschall dämpft, bevor er das Mikrofon überhaupt erreicht.

 

Einige neuere Mikrofone wie das Neumann TLM 102 verfügen intern über eine elastische Kapselhalterung. Diese Maßnahme hilft, eine saubere Bassübertragung zu gewährleisten, doch eine (zusätzliche) Spinnenhalterung ist deutlich effektiver und sicherer.

Die originale EA 1 Mikrofonspinne ist genau auf das Neumann TLM 103 abgestimmt.
Die originale EA 1 Mikrofonspinne ist genau auf das Neumann TLM 103 abgestimmt.

Originale und Fremdhersteller-Spinnen

Interessant zu wissen: Für eine optimale Körperschalldämpfung muss die Elastizität der Halterung auf die Masse des Mikrofons abgestimmt sein. Qualitätshersteller (wie Neumann) bieten deshalb für jedes Mikrofonmodell eine präzise darauf zugeschnittene Spinnenhalterung an. Die „Universal-Spinnen“, die von einigen Fremdherstellern angeboten werden, haben meist viel zu stramme Haltebänder, um ein typisches Großmembranmikrofon von rund 500 Gramm mechanisch zu entkoppeln. Die Körperschalldämpfung ist entsprechend gering.

Fazit

Für saubere Bassübertragung ohne Rumpelgeräusche ist die mit Abstand beste Lösung die speziell abgestimmte Spinnenhalterung vom Originalhersteller.