Mikrofondaten verstehen

Mikrofondaten verstehen (5)

Was bedeutet Grenzschalldruckpegel?

Was bedeutet Grenzschalldruckpegel?

Der Begriff sorgt immer wieder für Verwirrung: Mancher glaubt, ein Mikrofon würde beim Überschreiten des Grenzschalldruckpegels Schaden nehmen. Das ist Humbug! Tatsächlich fängt das Mikro lediglich an zu verzerren.

Was heißt verzerren?

Der Grenzschalldruckpegel im Datenblatt spezifiziert also nur, wie viel Pegel, wie viel Lautstärke ein Mikrofon vertragen kann, bis es hörbar verzerrt. Aber wie definiert man hörbare Verzerrung? Traditionell liegt der Grenzwert bei einer Gesamtverzerrung von nur 0,5%. Das ist gerade einmal der Ansatz von hörbarer Verzerrung und in vielen Fällen kaum wahrnehmbar. Doch als die Mikrofontechnik sich entwickelte, war der Rundfunk der Hauptabnehmer. Beim Rundfunk geht’s eben um möglichst saubere Übertragung. Und sowieso war der Rock & Roll noch gar nicht erfunden! Viele der „jüngeren“ Mikrofonhersteller messen den Grenzschalldruckpegel mit einem Grenzwert von 1% THD (Total Harmonic Distorition), was (scheinbar) bessere Werte ergibt.

 

Früher waren Mikrofone recht begrenzt in Sachen Pegelfestigkeit. Viele ältere Modelle erreichten kaum 120 dB SPL, doch moderne Mikrofone können oft enorme Pegel verarbeiten, ohne zu verzerren. Das Neumann TLM 102 kann beispielsweise bis zu 144 dB SPL „wegstecken.“ Das ist weitaus lauter als alles, was man im Homestudio aufnehmen könnte.

Das Neumann TLM 103 verarbeitet das Tambourine verzerrungsfrei, beim No-Name Mikro (unten) sind die unteren Halbwellen abgeschnitten.
Das Neumann TLM 103 verarbeitet das Tambourine verzerrungsfrei, beim No-Name Mikro (unten) sind die unteren Halbwellen abgeschnitten.

Klangbeispiel

Wie wichtig ist der Grenzschalldruckpegel in der Praxis?

Solange man kein Schlagzeug aufnimmt, muss man sich selten Sorgen um den Grenzschalldruckpegel machen. Probleme bereiten können schon mal Percussion-Instrumente. Beispielsweise ist ein Tambourine (eigentlich: Schellenkranz) viel lauter als man gemeinhin annimmt. Aus kurzer Distanz erreicht es locker Schallpegel über 120 dB. Für moderne Kondensatormikrofone wie die TLM-Serie von Neumann stellt auch das kein Problem dar; ältere Kondensatormikrofone können bei solchen Pegeln aber hörbar verzerren. Ebenso billige Einsteigermikros!

 

Auch dynamische Mikrofone beginnen bei höheren Schallpegeln zu verzerren. Trotzdem wird für dynamische Mikrofone nur selten ein Grenzschalldruckpegel angegeben. Eine Ausnahme sind manche Bändchenmikrofone. Das liegt wohl daran, dass die meisten dynamischen Mikrofone so pegelfest sind, dass in der Praxis kaum Probleme auftreten. Aufgrund von Alterungseffekten kann sich das aber bei älteren Exemplaren ändern.

Fazit

Im Homestudio überschreitet man die Geduld der Nachbarn meist lange vor dem Grenzschalldruckpegel. Zu den wenigen Ausnahmen, in denen sich der Grenzschalldruckpegel bemerkbar machen kann, gehören Instrumente, die nur sehr kurze Lautstärkespitzen produzieren bzw. kaum Klanganteile in den unteren Frequenzen aufweisen (die am ehesten zum Nachbarn durchdringen). Dazu gehören bestimmte Percussion-Instrumente wie das Tambourine oder die Triangel. Wenn in der Praxis Verzerrungen hörbar werden, liegt es in den meisten Fällen nicht am Mikrofon, sondern an Clipping im Vorverstärker oder den AD-Wandlern.