Mikrofondaten verstehen

Mikrofondaten verstehen (1)

Was ist der Unterschied zwischen Hören und Messen?

Was ist der Unterschied zwischen Hören und Messen?

Wie wichtig sind Datenblätter? Was bedeuten Spezifikationen wie Eigenrauschen oder Grenzschalldruckpegel? Kann man das beste Mikrofon für die jeweilige Anwendung finden, indem man Datenblätter vergleicht? Kann man anhand der Frequenzgangdarstellung „sehen“, wie ein Mikrofon klingt? Oder sollte man all dem keine Beachtung schenken und sich einfach mit den eigenen Ohren einen Eindruck verschaffen? Hier sind ein paar Antworten!

Messen vs. Hören aus Herstellersicht

Gelegentlich wird behauptet, die heutigen Hersteller verbrächten zu viel Zeit damit, auf Messkurven zu starren und ihre Produkte auf beste technische Werte zu optimieren, statt auf besten Klang. Das ist Unsinn! Bei Neumann, zumindest, benutzen die Mikrofonentwickler noch immer ihre Ohren, um zu bestimmen, ob etwas gut klingt oder nicht. Klang ist subjektiv. Aber keineswegs beliebig oder gar zufällig! Denn obwohl jeder einen anderen Geschmack hat, wird niemand bestreiten, dass es guten und schlechten Geschmack gibt. Guter Klang resultiert aus gutem Geschmack. Es erfordert aber sehr viel Erfahrung, fundiertes Engineering und präzise Messungen, um guten Geschmack und die damit verbundenen Klangvorstellungen in entsprechend großartig klingende Produkte zu umzusetzen.

 

Schon immer waren Messungen nötig, um sicherzustellen, dass jedes Mikrofon objektive Kriterien einhält, etwa bezüglich des Rauschverhaltens und des gewünschten Frequenzgangs. Gutes Engineering braucht mehr als nur vage Vermutungen. Messungen sind auch unabdingbar für hohe Fertigungskonstanz und Qualitätssicherung. Wir überprüfen deshalb die Messwerte jedes einzelnen Mikrofons, um unseren Kunden stets das bestmögliche Produkt bieten zu können.

Während der Fertigung werden alle kritischen Parameter wie Frequenzgang, Empfindlichkeit und Eigenrauschen nachgemessen – bei jedem einzelnen Mikrofon.
Während der Fertigung werden alle kritischen Parameter wie Frequenzgang, Empfindlichkeit und Eigenrauschen nachgemessen – bei jedem einzelnen Mikrofon.

Warum sollte ich als Anwender mich für gute Messwerte interessieren?

Gute technische Performance ist auch in der Praxis wichtig, denn schlechte Mikrofone zwingen uns, um ihre Schwächen herumzuarbeiten. Wenn beispielsweise ein Mikrofon übermäßig rauscht, suchen wir verzweifelt nach Wegen, diese Nebengeräusche zu kaschieren, etwa durch besonders nahe Aufstellung. Eigentlich sollten wir uns aber allein darauf konzentrieren können, den bestmöglichen Klang herauszuarbeiten, der sich vielleicht in etwas weiterem Abstand ergibt. Diese Gestaltungsfreiheit erlaubt uns ein entsprechend rauscharmes Mikrofon. Wir bei Neumann glauben, dass die Studiotechnik der Kreativität nicht im Wege stehen sollte. Das gilt umso mehr im Homestudio, wo es nicht zuletzt um die schiere Freude an gutem Sound geht.

 

Im Studio sollte hohe technische Qualität eine Selbstverständlichkeit sein. Studioaufnahmen werden für die „Ewigkeit“ gemacht. Sie dokumentieren unsere besten Momente, und natürlich sollten diese nicht von schlechtem Sound, hörbarem Rauschen oder anderen Artefakten getrübt werden. Mit Neumann-Mikrofonen sollten solche Probleme nie auftreten. Es werden aber immer mehr (so genannte) Studiomikrofone angeboten, die einen viel niedrigeren Qualitätsstandard markieren, gerade auch – aber nicht nur – im Bereich der günstigen Einsteigerprodukte.

 

Mit den folgenden Tutorials möchten wir helfen, technische Daten besser zu verstehen, und Tipps geben, welche Parameter für die Aufnahmepraxis im Homestudio tatsächlich relevant sind.