Mikrofondaten verstehen

Mikrofondaten verstehen (3)

Was ist Eigenrauschen (Ersatzgeräuschpegel)?

Was ist Eigenrauschen (Ersatzgeräuschpegel)?

Eigenrauschen ist die vielleicht nützlichste Spezifikation im Datenblatt. Kein Engineer möchte, dass seine Aufnahmen rauschen, und als Hörer sind wir nur bis zu einem gewissen Punkt bereit, Rauschen zu tolerieren, denn irgendwann lenkt es zu sehr von der Musik ab.

Das sollte man über Rauschen wissen

Das Rauschverhalten hat auch Auswirkungen auf die Usability. Während man ein Mikrofon mit hohem Rauschpegel so nah wie möglich zur Klangquelle positioniert, um einen akzeptablen Signal-Rausch-Abstand zu erhalten, erlaubt ein rauscharmes Mikro viel größere Freiheit in der Positionierung. Insofern ist Mikrofonrauschen nicht nur ein technisches Detail, sondern hat direkten Einfluss auf die kreativen Spielräume.

 

Für Kondensatormikrofone wird das Rauschverhalten üblicherweise als „Ersatzgeräuschpegel“ angegeben. Ein geläufigerer Ausdruck ist „Eigenrauschen,“ denn es handelt sich ja um das Signal, das ein Mikrofon ohne Schalleinwirkung ganz von selbst produziert. Die korrekte Methode, das Eigenrauschen zu messen, ist, das gesamte Mikrofon in einen schalldichten Behälter (im Fachjargon „Rauschbombe“) zu geben. Einige Hersteller machen es sich einfach, indem sie das Mikrofon ohne Kapsel messen, was – scheinbar! – bessere Messwerte ergibt.

 

Gewöhnlich wird das Eigenrauschen in dB-A angegeben. Das „A“ steht für A-Bewertung; das ist eine Gewichtung, die der Empfindlichkeit des menschlichen Ohrs nachempfunden ist. So empfinden wir beispielsweise Rauschen in den tiefen Frequenzen weniger störend als Rauschen in den Mittenfrequenzen, die für die menschliche Stimme von zentraler Bedeutung sind. Renommierte Hersteller wie Neumann veröffentlichen in ihren Datenblättern zusätzlich weitere Rauschwerte, die nach anderen (strengeren) Messstandards erhoben wurden. Das A-bewertete Rauschen gibt aber so gut wie jeder Hersteller an; vielleicht auch, weil dies die Messmethode ist, welche die niedrigsten Rauschwerte liefert.

Zur Messung des Eigenrauschens kommt das Mikrofon in ein solches schalldichtes Behältnis, im Fachjargon „Rauschbombe“ genannt.
Zur Messung des Eigenrauschens kommt das Mikrofon in ein solches schalldichtes Behältnis, im Fachjargon „Rauschbombe“ genannt.

Wie viel darf ein Studiomikrofon rauschen?

Alles bis 10 dB-A ist extrem niedriges Eigenrauschen. Der genaue Wert spielt keine Rolle, da selbst ein sehr leiser Aufnahmeraum mit guter Dämmung ein höheres Grundgeräusch aufweist, das das Mikrofonrauschen verdeckt. So extrem rauscharm sind in der Regel nur moderne Großmembran-Kondensatormikrofone wie das Neumann TLM 103.

 

11-15 dB-A sind immer noch sehr niedrige Werte. Nur in sehr kritischen Anwendungen ist ein ganz leichtes Rauschen zu hören. Gewöhnlich ist es aber im Kontext des gesamten Arrangements nicht mehr auszumachen. 11-15 dB-A ist der Bereich, den die besten Kleinmembran-Kondensatormikrofone erreichen (wie das Neumann KM 184) bzw. die rauschärmsten Kondensatormikrofone mit Röhrenelektronik (wie das Neumann M 149 Tube).

 

16-19 dB-A: Solche Werte sind immer noch gut genug für die meisten Anwendungen. Bei sehr leisen Instrumenten kann ein leichtes Rauschen hörbar werden, aber gewöhnlich ist es nicht störend.

 

20-23 dB-A: Das sind schon relativ hohe Werte für ein Studiomikrofon. In diesem Bereich zählt jedes Dezibel, denn die Wahrnehmungsschwelle ist deutlich überschritten. Solche Eigenrauschwerte sind akzeptabel, solange man laute Quellen aufnimmt, nicht aber bei Quellen, die leiser sind als Sprache.

 

Über 24 dB-A: Solche Rauschwerte sind einem Studiomikrofon unwürdig.

 

Bei dynamischen Mikrofonen wird das Eigenrauschen nur selten angegeben. Das liegt daran, dass ihr Rauschverhalten stark vom verwendeten Mikrofonvorverstärker abhängt. Als Faustregel gilt: Dynamische Mikrofone an einem ultra-rauscharmen Vorverstärker erreichen ein Eigengeräusch von etwa 18 dB-A.

Klangbeispiele

Zur Illustration wurde ein leises Uhrenticken im schalltoten Raum aufgenommen:
Zur Illustration wurde ein leises Uhrenticken im schalltoten Raum aufgenommen:

Alternative Darstellungsweise: Rauschabstand

Eine alternative Methode, das Rauschverhalten zu dokumentieren, ist der Rauschabstand. D.h. der Abstand zwischen Eigenrauschen und dem Nutzsignal. Aber welches Signal? Der standardisierte Referenzschalldruckpegel ist 94 dB SPL (das entspricht einem Schalldruck 1 Pascal). Somit lässt sich der Rauschabstand ganz leicht berechnen:

 

Rauschabstand (db-A) = 94 dB – Eigenrauschen (db-A)

 

Der tatsächliche Rauschabstand beim Aufnehmen hängt aber natürlich davon ab, wie laut die aufzunehmende Schallquelle ist.