Preamps

Preamps (2)

Welche Grundfunktionen und Features hat ein Vorverstärker?

Welche Grundfunktionen und Features hat ein Vorverstärker?

Egal, ob es sich um einen externen Preamp handelt oder um die eingebauten Vorstufen in einem Audiointerface, die Grundfunktionen sind dieselben.

Eingänge

Die Minimalausstattung für einen Vorverstärker (engl. Preamp) wäre ein Mikrofoneingang, für Stereoaufnahmen braucht man logischerweise zwei. Mikrofoneingänge sollten immer als XLR-Buchsen ausgeführt sein. Klinken-Steckverbinder eignen sich nicht für Mikrofoneingänge (deshalb sollte man Mikrofoneingänge auch nicht auf Klinken-Patchbays legen).

 

Fast alle Audiointerfaces und die meisten (aber nicht alle) externen Preamps verfügen auch über Line-Eingänge. Diese können entweder symmetrisch oder unsymmetrisch ausgelegt sein; symmetrische Verbindungen sind unempfindlicher gegenüber elektromagnetischen Störfeldern. Line-Eingänge können entweder als Klinken- oder XLR-Buchsen ausgeführt sein, letztere findet man vor allem bei teureren Geräten.

 

Die meisten Audiointerfaces und viele externe Preamps bieten außerdem einen oder mehrere Instrumenteneingänge, um eine E-Gitarre oder einen E-Bass anzuschließen. Oder auch ein (echtes) Rhodes E-Piano, das mit ähnlichen Tonabnehmern arbeitet wie E-Gitarren. Instrumenteneingänge kommen praktisch immer als Klinkeneingang und sind üblicherweise unsymmetrisch. Instrumenteneingänge, oft mit „Guitar“ oder „Hi-Z“ beschriftet, sehen aus wie Line-Inputs, unterscheiden technisch sich aber von diesen: Für optimale Klangresultate sollten Instrument Inputs eine Eingangsimpedanz von mindestens 400 KiloOhm haben. Ein üblicher Wert ist 1 MegaOhm (1000 KiloOhm). Das entspricht nämlich der Eingangsimpedanz eines typischen Gitarren/Bass-Verstärkers, und genau dafür sind ja Gitarren/Bass-Tonabnehmer ausgelegt. Zum Vergleich: Line-Inputs arbeiten mit einer deutlich geringeren Eingangsimpedanz, oft ca. 10 KiloOhm. Stöpselt man eine Gitarre oder einen Bass in einen Eingang mit so niedriger Impedanz, klingt das Instrument schlapp, ohne Definition und Brillanz.

Die Grundausstattung eines Vorverstärkers: Mikrofon-, Line- und Instrumenteneingang (mit Quellenwahlschalter), Gain-Regler sowie Schalter für Phantomspeisung, Phasenumkehr und Low Cut.
Die Grundausstattung eines Vorverstärkers: Mikrofon-, Line- und Instrumenteneingang (mit Quellenwahlschalter), Gain-Regler sowie Schalter für Phantomspeisung, Phasenumkehr und Low Cut.

Gain-Regler

Verstärkung (engl. „Gain“) ist die Hauptfunktion eines Preamps, denn er soll ja die verschiedenen Eingangssignale auf den regulären Arbeitspegel anheben (siehe „Wozu benötige ich einen Vorverstärker?“). Die meisten Mikrofonvorverstärker bieten bis zu 60 dB Gain; das genügt für übliche Anwendungen. Bändchenmikrofone und andere dynamische Mikros mit sehr geringer Empfindlichkeit (d.h. mit niedrigem Ausgangspegel) erfordern bei leisen Klangquellen noch mehr Vorverstärkung, weshalb einige (in der Regel etwas teurere) Preamps bis zu 80 dB Verstärkung vorsehen. Kondensatormikrofone haben typischerweise eine recht hohe Empfindlichkeit und kommen daher mit weniger Verstärkung aus.

 

Die Qualität eines Preamps macht sich vor allem in höheren Gain-Einstellungen bemerkbar. Oberhalb etwa 50 dB Gain klingen billige Vorverstärker zunehmend flach und leblos, während Vorverstärker der Spitzenklasse auch in höchster Verstärkung noch voll und brillant klingen. Billige Vorverstärker rauschen auch oft mehr als teurere, was aber nur dann wirklich hörbar wird, wenn man Mikrofone mit geringer Empfindlichkeit verwendet, die sehr viel Gain benötigen. Für optimale Klangergebnisse mit dynamischen Mikrofonen, insbesondere Bändchen, lohnt es sich unbedingt, in einen hochwertigen Vorverstärker zu investieren. Natürlich profitieren auch Kondensatormikros von einem hochwertigen Preamp, aber man kann bereits mit einem günstigen Gerät oder den eingebauten Preamps des Audiointerfaces sehr ordentliche Ergebnisse erzielen.

Phantomspeisung (P48)

Kondensatormikrofone benötigen eine Betriebsspannung, dynamische Mikrofone nicht. Die Lösung dieses Dilemmas ist die so genannte Phantomspeisung, eine Neumann-Erfindung. Phantomspeisung erlaubt es, Kondensatormikrofone über die gewöhnliche dreiadrige Mikrofonleitung mit Strom zu versorgen, während dynamische Mikrofone von der Phantomspeisung nicht beeinträchtigt werden. Es gibt nämlich keine Spannungsdifferenz zwischen den beiden Signalleitern – somit ist die Spannung für dynamische Mikrofone „unsichtbar“, ein „Phantom“.

Phasenumkehrschalter (Phase Reverse, Polarity)

Eigentlich ist der Begriff „Phasenumkehr“ falsch, denn dieser Schalter manipuliert nicht die Phase, sondern invertiert die Signalpolarität, d.h. das Signal wird „auf den Kopf gestellt“. Dennoch hat sich der Begriff „Phasenumkehrschalter“ allgemein durchgesetzt. Dieser Schalter verändert den Klang nicht. Er ist aber in vielen Situationen nützlich, vor allem, wenn man mit mehr als einem Mikrofon arbeitet. Nimmt man  z.B. eine Snare von oben und von unten ab, muss die Polarität eines Mikrofons (üblicherweise des unteren) invertiert werden, damit die beiden Mikros gleichphasig arbeiten. Beließe man sie gegenphasig, würden sich die in beiden Mikros vorhandenen Klanganteile gegenseitig auslöschen, was einen sehr dünnen Sound ergäbe.

Tiefenabsenkung (Low Cut, High Pass)

Viele Vorverstärker bieten einen Low Cut Schalter; ein anderer Name für dieselbe Funktion ist Hochpass (engl. „High Pass,“ oft „Hi Pass“ geschrieben), denn dieses Filter beschneidet die Bässe und lässt die höheren Frequenzen passieren. Eine solche Tiefenabsenkung eignet sich u.a., um Rumpeln, Trittschall und andere tieffrequente Störsignale zu beseitigen, die unterhalb der musikalisch relevanten Klanginformation liegen. Ein Low Cut (mit etwas höherer Einsatzfrequenz) kann aber auch für kreative Zwecke genutzt werden, um den Klang zu formen, d.h. um zu starke Bässe zu beschneiden, etwa wenn eine Stimme oder eine Gitarre in den tiefen Frequenzen dröhnt.