Abhöre & Akustik

Abhöre & Raumakustik (1)

Welche Raumakustik ist optimal für Aufnahmen, welche fürs Mixing?

Welche Raumakustik ist optimal für Aufnahmen, welche fürs Mixing?

Im Homestudio hat man gewöhnlich nur einen einzigen Raum zur Verfügung. Trotzdem ist es gut zu wissen, wie ein Aufnahmeraum und eine Tonregie idealerweise klingen sollten. Denn die akustischen Anforderungen für Aufnahme und Mixing unterscheiden sich stark.

Was macht einen guten Aufnahmeraum aus?


Ein Aufnahmeraum, oder “Live Room” wie man im Englischen sagt, sollte eine Charakteristik haben, welche den Klang der dort aufgenommenen Instrumente vervollkommnet. Der Raumklang sollte dem Ohr schmeicheln, inspirieren, die Instrumente und Stimmen „tragen“. Der legendäre Toningenieur Bruce Swedien nennt das „acoustic support“. Dabei handelt es sich um dasselbe Phänomen, das uns dazu bringt unter der Dusche zu singen, weil die Reflexionen der harten Fliesen unsere Stimme so groß und luftig erscheinen lassen. Ein guter Aufnahmeraum sollte deshalb nicht „tot“ sondern „lebendig“ klingen – daher auch der englische Ausdruck „live room.“ 

Allerdings klingen nicht alle Schallreflexionen angenehm. Ein kurzes Echo, beispielsweise, klingt oft störend, weil es für das Ohr schwierig ist, den Originalklang von seinem Echo zu unterscheiden. Außerdem führen die sehr kurzen Echos in kleinen Räumen zu unerwünschten Kammfiltereffekten, die den Klang ausdünnen. Erwünscht ist stattdessen ein komplexes, dichtes Reflexionsmuster, eine Art „Klangwolke“ auf der das Originalsignal schwebt. So mancher Aufnahmeraum in berühmten Studios klingt dermaßen gut, dass man kaum aufhören kann, in die Hände zu klatschen, um sich am Nachklang zu berauschen. Nicht weil der Nachhall so lange wäre – gewöhnlich liegt er im Bereich von 1,5 Sekunden – sondern weil er so dicht klingt und frei von tieffrequentem Dröhnen ist.

Einen so toll klingenden Aufnahmeraum zu konstruieren, ist eine Kunst und eine Wissenschaft zugleich. Studiobesitzer beauftragen dafür meist Spezialisten, die das nötige Wissen und eine langjährige Erfahrung mitbringen, Schall absorbierende Materialien und reflexive Oberflächen so anzuordnen, dass das richtige Maß an Nachhall entsteht, der über das gesamte Klangspektrum gleichförmig abklingt.

 

Die Bruchsteinmauern dieses Aufnahmeraums schaffen eine tolle Ambience für akustische Instrumente.
Die Bruchsteinmauern dieses Aufnahmeraums schaffen eine tolle Ambience für akustische Instrumente.
Ein Mix Room Setup mit Absorbern hinter den Boxen und an der Decke.
Ein Mix Room Setup mit Absorbern hinter den Boxen und an der Decke.

Tonregie und Mix Room


Die Tonregie, engl. „control room“, ist der Raum mit dem Mischpult. Gewöhnlich gibt es ein Fenster zum Aufnahmeraum für visuellen Kontakt zum Künstler. Traditionell wird die Aufnahme später auch in der Tonregie gemischt. Manche Studios haben dafür zusätzliche Mix Rooms mit beschränktem oder gar keinem Zugang zu einem Aufnahmeraum. Die akustischen Anforderungen an eine Tonregie und einen reinen Mix Room sind jedoch identisch. In beiden Fällen möchte man einen Raum, der keinen Eigenklang hat, damit man das aufgenommene Material möglichst unverfälscht beurteilen kann. Es gibt verschiedene Philosophien, dies zu erreichen. Die gängigste Methode, dem Ideal eines Raums ohne Eigenklang nahe zu kommen, ist Klangreflexionen weitgehend zu reduzieren. Das Resultat ist ein sehr trocken, fast schon „tot“ klingender Raum ohne merklichen Nachhall.

Die größte Schwierigkeit, eine neutrale Abhörakustik zu erreichen, liegt darin, Klangreflexionen in allen Frequenzbereichen gleichermaßen zu reduzieren. Raumreflexionen in den oberen und mittleren Frequenzen zu behandeln, ist recht einfach. Gewöhnlich wird dazu ein großer Teil der Wandflächen mit so genannten Breitbandabsorbern bedeckt. Reflexionen in den tiefen Frequenzen zu reduzieren ist weitaus schwieriger. Das liegt nicht zuletzt an der Größe und Geometrie des Raums. Räume üblicher Proportionen bilden meist Bassresonanzen, so genannte „Raummoden“ im Bereich von 50-200 Hz. Ohne Gegenmaßnahmen wäre es deshalb sehr schwierig, den Bassgehalt einer Aufnahme zu beurteilen. Zwar können Breitbandabsorber auch tieffrequente Reflexionen mindern, doch müssten sie dafür mindestens 30 cm dick sein, um einigermaßen effektiv zu sein. Eine Alternative sind spezielle Bassabsorber, so genannte Bassfallen, die meist in den Raumecken aufgestellt werden, wo sich die tieffrequenten Reflexionen stauen.

Gesangskabinen und Isolation Booths

Viele Tonstudios haben außerdem eine Gesangskabine. Diese kleinen Aufnahmeräume klingen ganz anders als der große Aufnahmeraum, denn Gesangskabinen sind mit Schall absorbierenden Materialien behandelt, die einen sehr trockenen Klang erzeugen. Heutzutage bevorzugen nämlich viele Produzenten und Künstler einen extrem direkten „in-your-face“ Gesangs-Sound ohne jeden Raumklang oder Nachhall. Manche Sänger mögen die Intimität einer Gesangskabine, andere hassen das Gefühl, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Letztere nehmen nicht selten ihre Vocals in der Tonregie auf, die ähnlich trocken klingt.

Schallkabinen oder Isolation Booths für Instrumente werden weniger wegen eines besonders trockenen Klangs verwendet, sondern um bessere Signaltrennung zu erreichen. Wenn etwa die Rhythmusabteilung oder die gesamte Band gemeinsam aufgenommen wird, ist es oft günstiger, die Bass- und Gitarrenverstärker in Schallkabinen unterzubringen, um Übersprechen in die Schlagzeugmikrofone zu vermeiden.


Dies also sind die akustischen Gegebenheiten, die Profis zur Verfügung stehen. In der nächsten Folge schauen wir uns an, wie wir die Raumakustik im Homestudio verbessern können.