Preamps

Preamps (1)

Wozu benötige ich einen Vorverstärker?

Wozu benötige ich einen Vorverstärker?

Alle reden von Vorverstärkern bzw. Preamps, aber kann man nicht einfach seine Mikros, Synths und Gitarren ins Audio-Interface stöpseln? Hmm, ja und nein!

Was ist ein Preamp?

Das Wort Vorverstärker, engl. Preamp hat zweierlei Bedeutung: a) eine Vorverstärkerschaltung, auch Vorstufe genannt, als Teil eines Geräts oder b) ein externes Gerät mit einer solchen Schaltung. Sinn und Zweck eines Vorverstärkers ist ein schwaches Signal auf Line-Pegel zu verstärken, also den Standard-Arbeitspegel deines Homestudio-Equipments.

 

Das Ausgangssignal eines Mikrofons ist gewöhnlich recht schwach und muss um 30-60 dB, manchmal noch mehr, verstärkt werden, um auf Line-Pegel zu kommen. Gitarren und Bässe erfordern nicht ganz so viel Verstärkung, aber immer noch ca. 20-30 dB. Und selbst Instrumente wie Synthesizer mit Line-Ausgang benötigen oft noch etwas Verstärkung, um auf Studiopegel zu kommen, denn es gibt verschiedene Standards für Line-Pegel. Hi-Fi-Equipment arbeitet mit einem Nominalpegel von -10 dBV; diesen Standard verwendete man auch lange für Homestudio-Equipment. Heute arbeiten die meisten Homestudio-Geräte mit demselben Pegel, den man seit vielen Jahrzehnten in professionellen Studios verwendet, nämlich +4 dBu (aufgrund verschiedener Spannungsreferenzen beträgt der Unterschied nicht etwa 14 dB, sondern nur rund 12 dB). Elektronische Instrumente arbeiten dagegen oft noch mit dem alten „semiprofessionellen“ Line-Pegel von -10 dBV.

 

Tatsächlich braucht man also für fast jede Signalquelle einen Preamp, um auf vollen „Profi-Pegel“ von +4 dBu zu kommen. Es muss aber kein externer Preamp sein; fast alle heutigen Audio-Interfaces bieten bereits eingebaute Vorverstärker, die gewöhnlich gut genug sind, um gleich loszulegen. Es sei aber angemerkt, dass etwas teurere Audio-Interfaces gewöhnlich mit qualitativ deutlich besseren Preamps ausgestattet sind als die der untersten Preisklasse.

Zwei der inzwischen legendären Neumann-Vorverstärkerkassetten V476b aus den frühen 1980ern.
Zwei der inzwischen legendären Neumann-Vorverstärkerkassetten V476b aus den frühen 1980ern.

Wozu ein externer Preamp?

Zu einem späteren Zeitpunkt könnte es sich dennoch lohnen, einen externen Vorverstärker zu erwerben. Aber was genau sind die Vorteile?

 

  • Höhere Klangqualität: Hörbar ist das vor allem in hohen Gain-Einstellungen. Während einfache Vorstufen oft bis etwa 40-50 dB Verstärkung noch gut klingen, wirkt das Klangbild zunehmend „verhangen“ und „trübe,“ sobald noch mehr Verstärkung erforderlich wird, etwa für dynamische Mikrofone mit geringem Ausgangspegel. Hochqualitative externe Preamps arbeiten hingegen mit aufwendigeren Schaltungen, die auch bei hoher Verstärkung volle Klangtransparenz sichern.

 

  • Mehr Gain: Die eingebauten Mikrofonvorstufen von Audio-Interfaces bieten selten mehr als 60 dB Verstärkung, oft deutlich weniger. Dynamische Mikrofone mit geringer Empfindlichkeit – dazu zählen auch Bändchenmikros – erfordern z.T. 70 dB Gain, manchmal sogar noch mehr.

 

  • Geringeres Rauschen. Tatsächlich sind manche in Audio-Interfaces verbauten Mikrofonvorstufen bereits recht rauscharm. Dennoch kann ein externer Vorverstärker hörbar weniger Rauschen produzieren, wenn man sehr leise Quellen aufnimmt und/oder mit Bändchenmikrofonen bzw. anderen dynamischen Mikros mit geringer Empfindlichkeit arbeitet. Im Datenblatt ist das Rauschverhalten in Form des „äquivalenten Eingangsrauschen“ (E.I.N) dokumentiert. -129 dBu ist in etwa bestmögliche Wert (bei einer Quellimpedanz von 200 Ohm; manche Hersteller messen mit kurzgeschlossenem Eingang, was – scheinbar – bessere Werte ergibt. -127 dBu ist immer noch ziemlich gut; höhere E.I.N.-Werte stellen dagegen kaum noch eine signifikante Verbesserung gegenüber den internen Preamps eines Audio-Interfaces dar.

 

  • Ein besonderer Klangcharakter: Das ist der für viele Anwender wohl wichtigste Grund, sich einen externen Preamp zuzulegen. Die in Audio-Interfaces verbauten internen Mikrofonvorstufen klingen normalerweise recht sauber und transparent, aber viele Engineers und Homestudio User wünschen sich eine besondere Klangfärbung, etwa den leicht „schmutzigen“ Klang eines 60er Jahre Röhrenvorverstärkers oder den weichen „Vintage-Tone“ eines 70s-Style Transistor-Preamps. Solch einen Klangcharakter bekommt man nur von einem entsprechenden externen Preamp.

 

  • Zusätzliche Features: Die eingebauten Vorverstärker eines Audio-Interfaces bieten meist nur die üblichen Grundfunktionen, oft fehlen erweiterte Funktionen wie Phasenumkehr, Tiefenabsenkung oder Eingangsdämpfung (Pad), Mehr dazu in unserem nächsten Tutorial „Welche Grundfunktionen und Features sollte ein Preamp haben?“
Viele Anwender interessieren sich heute wieder für Preamps mit Röhrenelektronik mit dem besonderen 60s-Flair.
Viele Anwender interessieren sich heute wieder für Preamps mit Röhrenelektronik mit dem besonderen 60s-Flair.

Für wen lohnt sich ein externer Preamp?

Für Home-Studio-Einsteiger ist ein externer Preamp zunächst unnötig. Sinnvoller ist es, das gesparte Geld in ein etwas teureres Audio-Interface zu investieren, das bereits mit ordentlichen internen Vorstufen ausgestattet ist. Besseren Klang verspricht ein externer Preamp vor allem dann, wenn man dynamische Mikrofone mit geringer Empfindlichkeit verwendet (insbesondere Bändchenmikrofone), die sehr viel Gain erfordern. Bei Kondensatormikrofone mit hohem Ausgangspegel hält sich die Klangverbesserung dagegen in Grenzen.

 

Ein externer Vorverstärker eignet sich sehr gut, um in einem zweiten Schritt die Klangqualität des heimischen Studios aufzuwerten oder um für größere Klangvielfalt zu sorgen. Diesen zweiten Schritt sollte man jedoch nicht tun, bevor der erste gemacht ist. Bereits mit den eingebauten Vorverstärkern eines ordentlichen Audio-Interface und ein bis zwei guten Kondensatormikrofonen lassen sich sehr gute Aufnahmen machen.