FAQ

Kann man Bühnenmikros auch im Studio verwenden?

FAQ

Kann man Bühnenmikros auch im Studio verwenden?

Worin unterscheiden sich Studiomikrofone von Bühnenmikrofonen? Ist es eine Frage der Qualität, oder steckt mehr dahinter? Und gibt es Mikrofone, die sowohl auf der Bühne als auch im Studio erstklassigen Sound liefern?

Studio und Bühne

Für Studiomikrofone gibt es nur eine oberste Priorität: Klang. Für Bühnenmikrofone sind auch andere Aspekte wichtig. Bühnenmikrofone müssen robust sein und unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit; Handgeräusche sollten so gering wie möglich sein. Vor allem müssen Bühnenmikrofone auch eine geringe Feedback-Anfälligkeit aufweisen. Schließlich geht es auf der Bühne viel weniger kontrolliert zu als im Aufnahmestudio. Oberstes Gebot auf der Bühne ist: „The show must go on!“ – egal was passiert. Sollte im Studio mal ein Gerät ausfallen oder etwas Unvorhergesehenes die Aufnahme ruinieren, ist das meist keine große Sache; man nimmt einfach ein weiteres Take auf.

 

Auf praktischer Ebene besteht ein großer Unterschied zwischen Bühne und Studio in der Mikrofonpositionierung. Um die Feedback-Anfälligkeit zu minimieren, stellt man auf der Bühne die Mikrofone möglichst nahe zur Schallquelle auf. Wie wir im Tutorial „Was ist der Nahbesprechungseffekt“ erklärt haben, kommt es bei naher Mikrofonierung zu einer Bassanhebung. Um diesen Anstieg in den tiefen Frequenzen wieder auszugleichen, haben Bühnenmikrofone eine eingebaute Bassabsenkung, sodass sich bei Nahmikrofonierung ein insgesamt ausgeglichener Frequenzgang einstellt. Diese Bassabsenkung macht das Mikrofon gleichzeitig weniger empfindlich für Körperschall, d.h. tieffrequentes Rumpeln und Handgeräusche.

 

Studiomikrofone haben eine viel tiefer reichende Bassübertragung. Die damit einhergehende Empfindlichkeit für Körperschall lässt sich durch die Verwendung einer elastischen Aufhängung (Spinne) in den Griff bekommen. Manche Studiomikrofone haben außerdem eine schaltbare Tiefenabsenkung, um den Nahbesprechungseffekt auszugleichen, wenn man einen geringen Mikrofonabstand wählt. Studiomikrofone sind also in der Aufstellung flexibler; man kann sie nahe zur Schallquelle positionieren oder weiter entfernt, ganz nach Klangvorstellung.

Klangqualität und Robustheit

Da für Studiomikrofone die Klangqualität oberste Priorität hat, arbeiten sie üblicherweise mit Schallwandlern in Kondensatortechnik. Kondensatormikrofone bieten höchste Klangtreue, einen weiten Frequenzgang, ausgezeichnete Impulswiedergabe und sehr niedriges Rauschen.

 

Auf der Bühne ist dagegen die Robustheit ein wichtiges Kriterium. Die meisten Bühnenmikrofone arbeiten daher mit dynamischen Schallwandlern. Dynamische Mikrofone (Tauchspulmikrofone, um genau zu sein) stehen im Ruf, nahezu unzerstörbar zu sein. Tatsächlich gehen auch dynamische Mikrofone schon mal kaputt, aber da sie meist recht preisgünstig sind, kann man sie leicht ersetzen. Und obwohl dynamische Mikrofone nicht die hohe Klangqualität eines Kondensatormikrofons erreichen, muss das Publikum das nicht unbedingt nicht bemerken. Denn traditionell gilt die PA-Anlage als das schwächste Glied in der Übertragungskette.

 

Doch die Dinge ändern sich! In den letzten 15 Jahren hat sich der Live-Sound dramatisch verbessert. Dies wiederum führte zur Entwicklung neuer Bühnenmikrofone in Kondensatortechnik, die Sound in Studioqualität auf die Bühne bringen. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung durch die Neumann KMS-Mikrofonserie.

KMS-105-Gitarre
Mit einem hochwertigen Bühnenmikrofon wie dem Neumann KMS 105 kann man nicht nur Gesang, sondern auch Instrumente aufnehmen.

Studioklang auf der Bühne, Studioaufnahmen mit Stage-Feeling.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, kann man Bühnenmikrofone im Studio verwenden? Ja, selbstverständlich – solange es sich um ein hochqualitatives Mikrofon handelt! Ein billiges dynamisches Bühnenmikrofon wird immer wie ein billiges dynamisches Bühnenmikrofon klingen, wobei seine Schwächen im Studio natürlich noch offensichtlicher werden. Ein hochqualitatives Bühnenmikrofon in Kondensatortechnik liefert dagegen erstklassige Klangergebnisse, sowohl auf der Bühne als auch im Studio.

 

Die einzige wirkliche Einschränkung besteht in der Positionierung. Bühnenmikrofone, auch hochqualitative in Kondensatortechnik, sind für Nahmikrofonierung optimiert, d.h. sie sollten nicht mehr als 15-30 cm von der Schallquelle entfernt aufgestellt werden. Im Homestudio ist das oft sogar von Vorteil! Wenn man keinen gutklingenden, akustisch behandelten Aufnahmeraum zur Verfügung hat, ist es ohnehin ratsam, mit Nahmikrofonierung zu arbeiten. Auf diese Weise erhält man ein „trockenes“ Signal mit wenig Raumanteil.

 

Selbst in kommerziellen Studios, die über einen guten Aufnahmeraum und/oder eine Gesangskabine verfügen, ziehen es manche Sänger vor, das Mikrofon in der Hand zu halten. Denn das gibt ihnen ein vertrautes Gefühl in einer wenig vertrauten Umgebung. Außerdem erlaubt ein handgehaltenes Mikrofon dem Sänger bzw. der Sängerin, sich – wie auf der Bühne – mit der Musik zu bewegen. Das wiederum führt oft zu einer emotionaleren Darbietung.

Mit einem gewöhnlichen dynamischen Bühnenmikrofon müsste man sich diese Bequemlichkeit und Performance-Steigerung mit schlechterem Sound erkaufen. Doch mit einem hochqualitativen Handheld-Kondensatormikrofon wie dem Neumann KMS 104 und KMS 105 kann man beides haben: die Energie einer Live-Performance und die Klangqualität eines Studiomikrofons.